Hintergrundinformationen

In der Diskussion um die Wildtierhaltung, was die Falknerei ja ist, werden neben sachlich-objektiven oft auch stark emotionale Standpunkte vertreten: bisweilen wird das Tier sogar vermenschlicht.

Für eine Haltung von Wildtieren in menschlicher Obhut sprechen verschiedene Gründe. Der afrikanische Stammeshäuptling Baba Dioum hat einmal gesagt: «Letztlich werden wir nur erhalten, was wir lieben. Wir werden nur lieben, was wir kennen. Wir kennen aber nur, was wir selber gesehen und erlebt haben.» In unserer Welt, die gekennzeichnet ist durch eine zunehmende Verstädterung und eine allgemeine Entfremdung von der Natur, sind Tiere (und Pflanzen) als Botschafter der Natur und Bindeglieder zwischen den Menschen und der Natur von zunehmender Bedeutung und hier möchte die Burgfalknerei ihren Beitrag zu diesem Verständnis leisten.

Die Haltung von Wildtieren in menschlicher Obhut ermöglicht die direkte Begegnung mit dem Tier. Sie schafft die Voraussetzung, Tiere kennen zu lernen, sich für sie zu begeistern und letztlich auch, sich für Ihren Schutz und ihre Erhaltung einzusetzen. Als tiergerecht gilt eine Haltungsform, die es den Tieren ermöglicht, den uns vom natürlichen Lebensraum her bekannten Typus in Bezug auf Anatomie, Körperfunktionen und Verhalten aufzubauen und zu erhalten. Schon der Begründer der interdisziplinären Tiergartenbiologie, Prof. Heini Hediger, hat die Übertragung dieser Erkenntnisse auf die Wildtierhaltung gefordert. Insbesondere verlangte er, die Tierhaltung der jeweiligen Tierart an zu passen, mit allen für ihre Art wichtigen Wohn und Nutzelementen. Unsere Gesetzgebung fordert ausserdem, dass die Haltung so gestaltet sein müssen, dass sich die Tiere darin auch artgemäss bewegen können.

«Vom freilebenden Tier wurde allgemein angenommen, dass es im Genusse einer uneingeschränkten, grenzenlosen räumlichen und persönlichen Freiheit stehe. Diese bis heute massgebende Auffassung beruht auf einem fundamentalen Irrtum. Infolgedessen müssen auch alle von dieser Auffassung abgeleiteten Argumente einer gründlichen Revision unterzogen werden. So paradox es klingen mag, verhält es sich in Wirklichkeit doch folgendermassen: Das freilebende Tier lebt nicht frei – weder in räumlicher Hinsicht noch in Bezug auf sein Verhalten gegenüber anderen Tieren. Dieser Elementarsatz kann nicht genug betont werden, da er herkömmlichen Vorstellungen widerspricht.»

Prof. H. Hediger, Tierpsychologe und Begründer der Tiergartenbiologie, 1942